IT-Systeme in Schulen – wie homogen soll es sein?

IT-Systeme in Schulen – wie homogen soll es sein?

Bis vor etwa zehn Jahren galt; die Windows- und die Applewelt funktionieren nur bedingt miteinander, die Kompatibilität insbesondere bei Serverdiensten war eher schlecht. Darum war für viele Schulen klar – entweder Mac oder Windows.

Danny Friischknecht

Der folgende Beitrag soll ein Licht darauf werfen, ob und inwiefern sich die Situation verändert hat.

Technische Entwicklung

Mittlerweile wurde diese Zweiteilung der Betriebssysteme aufgebrochen. Der erste Grund war das iPad von Apple, eine günstige und praktische Alternative zu Desktop- oder Laptoprechnern. Die Geräte waren mobil, robust, einfach zu verwalten und stürzen praktisch nie ab.
Die anfänglichen Tücken bei der Integration in Windowsumgebungen konnten leicht behoben werden, seit vielen Jahren funktioniert diese Zusammenarbeit reibungslos.

Apples Updatephilosophie – automatisch im Hintergrund und über das Internet – hat sich inzwischen auf Windows und praktisch alle Endgeräte ausgeweitet. Ein Management der Geräte über Cloudlösungen, inklusive des neuen Aufsetzens und Einspielens von Updates oder des Einrichtens von Profilen, ist heute Alltag.
Treiber für diese Entwicklung sind einerseits die immer leistungsfähigeren Internetzugänge, andererseits eine Abkehr vom Imaging hin zu «inkrementellen» Updatelösungen – bei beiden grossen Betriebssystemen.

Es gibt sowohl im privaten als auch im Geschäftsumfeld Lösungen wie Microsofts Azure/Intune/Autopilot oder Apples Classroom, die das Gerätemanagement über die Cloud lösen. Selbst die bisherige «Knacknuss» Druckerverwaltung und -nutzung funktioniert heute problemlos über Onlinedienste.
Braucht es also noch lokale Server im schuleigenen Keller?

Ein weiterer Faktor, der die Homogenität von IT-Infrastruktur weniger wichtig macht, ist die Verlagerung von Software in die Cloud. Die grossen Softwarehersteller haben vorgelegt, die Lehrmittelindustrie folgt mit einiger Verzögerung.

Ein noch stärkerer «Gamechanger» war jedoch, dass Softwarehersteller ihre Produkte plattformübergreifend programmierten. Adobe war klarer Vorreiter, für den Gesamtmarkt aber viel wichtiger war Microsoft. Seit das Redmonder Unternehmen seine Office Suite überarbeitet hat, verschwinden die Unterschiede zwischen den Produkten immer stärker, die reine Onlinenutzung hat stark zugenommen.

Egal, ob es ein Applerechner ist, ein Windowslaptop, ein Android-Tablet oder ein iPad; Word und Co. sehen heute auf jedem Gerät genau gleich aus, die Funktionalität ist zu beinahe einhundert Prozent identisch.

Nachdem sich Microsoft auch mit ihrer Cloudlösung Office 365/Microsoft 365 in Schulen immer mehr durchsetzen, reduzierten sich die Unterschiede noch stärker. Neben den reinen Applikationen funktionieren nun auch Datenablagen, Kalender, Mail, Kommunikation und Kooperation plattformübergreifend.

Also noch einmal; braucht es noch lokale Server im schuleigenen Keller?

Bedeutung für die Schule

Die Schule wird durch die IT-Infrastruktur in zwei Bereichen berührt, der Administration und der Nutzung.

Verwalten und Nutzen

Für das Management von Geräten, die Nutzerverwaltung, Druckerdienste oder Firewalls sind Profis zuständig, alles kann online überwacht und administriert werden.
Nutzerinnen und Nutzer sollen davon möglichst nichts spüren. Technisch gesehen gibt es heute keinen Grund für lokale Server mehr – gerade in Schulen.

Die Nutzung wiederum teilt sich in zwei Bereiche auf, die anwendungsspezifische und die pädagogische.

Anwendung

Für Anwenderinnen und Anwender haben sich die Programme stark vereinheitlicht, die Betriebssysteme sind näher zusammengerückt. Kinder und Jugendliche kommen leicht mit verschiedenen Plattformen zurecht, selbst wenn diese unterschiedlich aussehen.

Pädagogik

In der pädagogischen Beurteilung gibt es wiederum zwei Sichten, ich nenne sie einmal die «konzeptionelle» und die «inhaltliche».

Wissen, wo suchen oder wissen?

Beim konzeptionellen Ansatz ist wichtig, dass Schülerinnen und Schüler Problemlösestrategien lernen. Die notwendigen Applikationen ergeben sich erst, oft sind verschiedene möglich. Welches Programm oder Werkzeug letztlich gewählt wird, ist zweitrangig.

Beim inhaltsbezogenen Ansatz wird darauf fokussiert, welche konkreten Anwenderkompetenzen geschult werden müssen – um dann die entsprechenden Probleme zu lösen. Damit rücken Applikationen und Systeme wieder ins Zentrum.

Windows muss dann sein, weil der grosse Teil der Berufswelt damit arbeitet, Apple, weil kreative Menschen dort besser aufgehoben sind – beispielsweise.

Die beiden Ansätze schliessen sich gegenseitig nicht aus – beide haben ihre Bedeutung. Für den Lernerfolg ertragreicher ist, wenn die Ansätze kombiniert werden.
Die Fragestellungen müssten dann eher heissen, womit wir in der Berufswelt wirklich konfrontiert werden; wieviel Betriebssystemkenntnisse brauche ich? Welche Rolle spielt es, ob ich eine Präsentation auf einem Windows- oder einem Applerechner erstelle?

Hybrid ist das neue Zauberwort

Vollständig systemunabhängige Philosophien wie byod (bring your own device) haben sich bisher im Volksschulbereich nicht durchgesetzt. Es scheint für Schulen einfacher zu sein, sogenannte «one2one»-Lösungen umzusetzen. Dabei wird das Gerät von der Schule beschafft und den Schülerinnen und Schülern für eine gewisse Zeit zur Verfügung gestellt.

Damit setzen sich immer mehr hybride Systeme durch, also Windowsgeräte ebenso wie Applecomputer oder -tablets. In kleinem Mass werden auch Androidgeräte integriert, etwa bei Tablets.

Hybride Umgebungen können heute technisch problemlos administriert werde. Die Standardisierungen und Automatisierungen ist sind weit fortgeschritten.

Auch eine «Hybridisierung» zwischen Cloud und Einbindung lokaler Dienste ist möglich und je nach Anspruch sinnvoll.
Manche Schulen vertrauen ihre schützenswerte Daten lieber einer lokalen Ablage an, beispielsweise einem NAS, oder sie nutzen einen Mac Mini als Cachingserver für die iPads.
Rein technisch gesehen sind diese Lösungen allerdings eher unsicherer als eine saubere Auslagerung in die Cloud.

Fazit

Eines ist klar – es gibt nicht «die Lösung» für Schulen. Je nach Grösse und Struktur einer Schule sind zum Beispiel die Ansprüche an das Endgeräte-Management oder die Datenablagen unterschiedlich.

Folgende Punkte können aber festgehalten werden:

  • Rein technisch gesehen, spricht also wenig bis nichts gegen eine heterogene, hybride Umgebung.
  • Unabhängig von der Lösung, ein professioneller Support ist notwendig und kann meist nur durch externe Dienstleister gewährleistet werden.
    iScouts oder PICTS sind in der pädagogischen Unterstützung wertvoller, Nutzerinnen und Nutzer können den first level Support durchaus selbständig bewältigen – wenn man es verlangt und ihnen zutraut.
  • Auch die Nutzung der Cloud ist keine Hexerei, vorausgesetzt, ein sauberes Rechtemanagement und eine durchdachte Struktur der Dateiablagen werden seriös erarbeitet, überwacht und nach Bedarf aktualisiert.
  • Schulen tun gut daran, wenn sie ihre Bedürfnisse klar definieren und von Zeit zu Zeit wieder überprüfen. Nur klare Bedürfnisse helfen bei der Umsetzung einer adäquaten IT-Infrastruktur.
    Es ist hilfreich, wenn dabei der Ansatz «Funktionalität» genutzt wird, den wir in der Submission kennen. Die Frage nach Hersteller, Prozessor oder Bildschirmgrösse sind zweitrangig, es gibt ein breites Angebot an Hard- und Software, welche für Schulen sinnvoll sind.
  • Externe Beratungen helfen, den Dschungel der IT-Lösungen etwas zu lichten. Das kann der eigene Dienstleister sein oder ein neutraler Berater. Neutrale Berater haben den Vorteil, dass sie eher die Breite des Marktes abbilden, ohne sich auf bestimmte Geräte zu fokussieren.