Wo ist der Wurm drin?

Auch Luzern bricht die Einführung der Schulsoftware Educase ab…

Danny Frischknecht, Originalbericht zu Luzern von Philipp Anz/Inside-IT

In der Presse liest man immer wieder von gescheiterten Projekten im Schulumfeld, sei es bei der Beschaffung von Hard- und Software, der Erarbeitung und Umsetzung von Schulprojekten oder der Implementierung von Verwaltungs- und Administrationslösungen. Der neueste Fall betrifft Luzern:

Dabei sind bei den meisten Projekten Profis am Werk, das notwendige technische KnowHow müsste eigentlich vorhanden sein. Die Finanzen sind üblicherweise auch nicht das Problem. Im Gegenteil, ich staune immer wieder, wie grosszügig signifikante Nachtragskredite gesprochen werden, um Projekte zu retten. Wo also liegt der Hund begraben?


Aus meiner Sicht gibt es eine relativ einfache Erklärung; die Bedürfnisse der wichtigsten „Stakeholder“ werden nicht oder zu wenig berücksichtigt oder verstanden.
Was brauchen die Schülerinnen und Schüler, was die Lehrpersonen, was Schulleitungen und Schulverwaltung? Möglicherweise müssen auch Bedürfnisse von Schulbehörden und Eltern berücksichtigt werden.

Zudem sind die Kompetenzen und das entsprechende Wissen bei Lehrpersonen sehr unterschiedlich und häufig sitzen nur affine Mitglieder in den Kommissionen und Arbeitsgruppen.
Dabei ist es nicht allein der immer wieder beschworene „Alters-Gap“. Viele erfahrene Mediennutzer, welche auch im Netz über ihre Projekte berichten, gehören nicht zu den Jüngsten. Und viele junge Mediennutzerinnen unter den Lehrpersonen stehen deren Einsatz zunehmend kritisch gegenüber.
Zurecht ist die Euphorie über die „fantastischen Möglichkeiten und die enormen Erleichterungen“ der digitalen Medien einer nüchternen, realistischeren Betrachtungsweise gewichen. Längst sind die Schatten und die dunklen Seiten der Digitalisierung zu Tage getreten und beeinflussen die Akzeptanz nicht nur von Lehrpersonen. Gerade auch das Elternhaus ist skeptischer geworden, was den Nutzen und die Gefahren digitaler Werkzeuge anbelangt.
Zugegeben; es ist nicht einfach, diese Bedürfnisse zu erheben und zu formulieren. Die Betroffenen wissen oft selber nicht, was sie genau brauchen, was die „Digitalisierung“ in der Schule genau soll, welchen (Mehr-)Wert diese Werkzeuge haben. Oder sie können es nicht so formulieren, dass sie verstanden werden. Das „IT-Wording“ macht es Laien definitiv nicht leicht.


Aufbauend auf diesen Bedürfnissen sollte dann konzeptioniert werden, auch hier wieder mit dem Fokus auf die „Betroffenen“. Im Vordergrund müssten Nutzungskonzepte stehen. „Welche Ziele verfolgen wir mit dem IT-Einsatz? Welche Vorgaben müssen wir berücksichtigen (Lehrplan…)? Welche Ansprüche haben wir an die Infrastruktur, was muss sie können? Was brauchen wir dabei minimal, was ist „nice to have“? Welche Weiterbildung der Lehrpersonen ist damit verbunden?“

Solche Fragen sollten weit vor den technischen Lösungen stehen. Werden dann die technischen Konzepte entwickelt, muss der Blick auf das Ganze gerichtet werden. Es geht nicht nur um Serverdienste, Cloudlösungen, Clientrechner, allenfalls Informatikräume oder Software, sondern ebenfalls um Netzwerke, Präsentationssysteme, um den internen und externen Support, um Schulungen.
Dabei sind viele Details zu beachten und – die beteiligten Mitglieder der Arbeitsgruppen oder Kommissionen sollten unbedingt dazu angehalten werden, sich Lösungen in anderen Schulen im alltäglichen Einsatz anzusehen, sich Produkte im aktiven Betrieb vorstellen zu lassen. Was nur theoretisch und mit Hochglanzprospekt aufgezeigt wird, steigert die Erwartungen ins Unermessliche und führt schon bei kleineren Problemen in der Implementierung zu teilweise massivem Widerstand. Wer schon einmal eine Palastrevolution eines „Lehrkörpers“ erlebt hat, weiss, wovon ich spreche.


Im gesamten Prozess gibt es etwas, was ich persönlich für zentral halte – eine neutrale Stimme, welche unabhängig die Interessen der Schule vertritt, gleichzeitig die Seite der Anbieter kennt und vor allem zwischen den Beteiligten „übersetzen“ und vermitteln kann.
Klar spreche ich hier von Menschen, die meinen Job als externen Berater ausführen. Aus jahrelanger Erfahrung kann ich aber sagen – wenn diese Unterstützung so früh wie möglich implementiert wird, steigen die Chancen guter Umsetzungen deutlich.
In den meisten der gescheiterten Projekte wurden leider erst im Nachgang unabhängige Fachleute beigezogen. Und es zeigt sich; einen Karren aus dem Dreck zu ziehen ist aufwändiger und teurer, als das Fahrzeug laufend auf der Strasse zu halten.