Digitalisierung oder Digitalisierung?

Die englische Sprache kennt zwei Begriffe für das, was wir mit Digitalisierung bezeichnen – behindert uns die Spracharmut des Deutschen bei der Definition der Digitalen Transformation?

Danny Frischknecht

Spracharmut im Deutschen? Geht’s noch? Doch, so ist es nach neuesten Studien, welche davon ausgehen, dass es im Deutschen etwa 500’000 Einzelwörter gibt, im Englischen gut eine Million. Stark sind wir Deutschsprachigen jedoch bei Wortzusammensetzungen, welche die englische Sprache praktisch nicht kennt. Beispiel gefällig? Als Wörter im Deutschen gelten beispielsweise „Geruchsreisender“ oder „Schokoladenspeck“. Im englischen werden dies Worte nicht zusammengefasst, sondern einzeln „aneinander gereiht“ also „odor traveller“ und „chocolate bacon“.
Den Unterschied in der Menge erleben wir als Deutschsprachige immer wieder, wenn wir auf verschiedene englische Wörter stossen, welche es bei uns nur einmal gibt.

Eines dieser Wörter, welche bei der Diskussion um die Digitale Transformation zentral sind ist Digitalisierung. Im Englischen gibt es dafür die Ausdrücke „digitization“ und „digitaliziation“.
„digitization“ bedeutet, dass bisher analoges Material (Texte, Bilder, Musik …) in digitale Formate umgewandelt werden (PDF, mp3, jpg. doc. …). Das wäre quasi der Weg vom Papier zu Word…
„digitaliziation“ hingegen meint den produktiven oder kreativen Umgang mit digitalen Medien. Es geht also darum, die digitalen Werkzeuge und Formate dazu zu nutzen, um neue Inhalte zu generieren, idealerweise solche, welche analog nur unzureichend oder nicht möglich sind. Die Anwendungen sind sehr vielfältig;
– Blog oder Website zur Veröffentlichung verschiedenster Inhalte
– Social Media zum Veröffentlichen von Inhalten, aber auch zur direkten Kommunikation
– Digitale Bildbearbeitung als Erweiterung von Fotografie und Fotoentwicklung
– Digitale Video- und Musikbearbeitung
– Streaming von Filmen oder Musik

Man kann also sagen, dass „digitization“ die Grundlage für „digitaliziation“ ist und für sich genommen nur einen kleinen Mehrwert gegenüber der analogen Datenverarbeitung bietet. Erst der kreative Umgang mit digitalen Möglichkeiten führt zu einer „Digitalen Transformation“, die für sich in Anspruch nimmt, einen kulturellen Wandel, verändertes NutzerInnenverhalten oder eine Neuordnung/Erweiterung von Geschäftsmodellen zu implementieren.

Mit dieser „sprachlichen Einschränkung“ bleibt uns also nichts Anderes, als uns die unterschiedlichen Bedeutung der gleich genannten Inhalte und Abläufe bewusst zu werden und beiden ihre Bedeutung beizumessen.

Für die digitale Transformation in der Schule meint das also, dass der Aufbau von Kompetenzen, die Digitalisierung von Daten mit dem kreativen Umgang mit den digitalen Mitteln einhergehen muss - darin liegt letztlich die Herausforderung!