Schulen und technische Innovationen – Inkompetenz mit Ansage?

Schulen und technische Innovationen – Inkompetenz mit Ansage?

Volksschulen haben einen besonderen Auftrag. Sie sollen unsere Nachkommen bilden und „fit“ für das «spätere Berufsleben» machen.

Danny Frischknecht

Damit Schulen diesem Auftrag gut nachkommen können, werden sie staatlich alimentiert. Ein „privatwirtschaftliches Unternehmen“ iim Schulumfeld funktioniert meist nur, wenn es eine teure Privatschule ist, deren KundInnen eher vermögend sind..

Volksschulen werden nicht in Frage gestellt und nur bedingt auf ihre Leistung kontrolliert. Die Legende, dass Lernen nur schlecht qualifizierbar wäre, hält sich hartnäckig.

Technologie und Bildung

Oft werden Schulen mit Aufgaben konfrontiert, denen sie a priori nicht gewachsen sind, nicht gewachsen sein können. Das ist etwa der Einfluss von Technologien auf den Unterricht. Schulen haben kaum Kompetenzen und Knowhow in diesem Bereich, woher auch?
Die Entwicklung läuft zudem sehr schnell für ein eher träges System, dessen Wandel permanent durch politische Einflussnahme und lange Reaktionsfristen ausgebremst wird.

Wenn Schulen sich mit neuen Technologien befassen, geschieht das oft im „Elfenbeinturm der Medienpädagogik“. Damit meine ich, dass man technologische Entwicklungen aus pädagogischer Sicht beurteilt, methodische und didaktische Umsetzungen definiert und die Philosophie «Pädagogik vor Technik» verfolgt. Damit lassen sich Schulen ein Stück weit den Wind aus den Segeln nehmen , im schlimmsten Fall segeln sie quasi in der Flaute – was ja selten funktioniert.

Fluch der Medienpädagogik

Es gibt ein Heer an MedienpädagogInnen mit teilweise sehr gutem Ruf, viel Knowhow und grosser Akzeptanz. Das stellt aber keinen kompetenten Umgang mit technischen Innovationen sicher.
Einige von ihnen verfügen zwar über viel technisches Knowhow, trotzdem sind sie weit weg von den Handlungsplätzen, an denen technische Innovationen entwickelt und vorangetrieben werden.
Meist zeigt sich das in einem eher blauäugigen, um nicht zu sagen naiven Verhalten. Man geht davon aus, dass man Schülerinnen und Schüler mit medienpädagogischen Ansätzen und einer «pädagogisch definierten» Mediennutzung befähigt, sich in der IT Welt nicht nur zurecht zu finden, sondern auch widerstandsfähig gegenüber den negativen Auswirkungen zu werden – Resilienz nennt man das dann.
Eine fundierte, technische Befähigung findet nur ansatzweise statt. Es genügt einfach nicht, wenn spielerisch mit Scratch programmiert oder Chat GPT für Klassenarbeiten genutzt wird…

Technik bedeutet Macht

Ich bin kein Verschwörungstheoretiker, aber auch nicht naiv. Technische Innovationen nehmen zwar für sich in Anspruch, dem Nutzen der Menschheit zu dienen, in erster Linie dienen sie aber Unternehmen, die mit diesen Innovationen viel Geld verdienen – sehr viel Geld.

Diese Unternehmen stellen heute eine unterschätzte Macht dar. Die FORBES-Liste der „top ten der reichsten Menschen“ auf der Welt besteht überwiegend aus Besitzern von Tech-Giganten.

  1. Elon Musk: (Tesla, SpaceX)
  2. Larry Page: (Google/Alphabet)
  3. Jeff Bezos: (Amazon)
  4. Larry Ellison: (Oracle)
  5. Mark Zuckerberg: (Meta/Facebook)
  6. Bernard Arnault & Familie: (LVMH)
  7. Bill Gates: (Microsoft)
  8. Steve Ballmer: (Microsoft)
  9. Warren Buffett: (Berkshire Hathaway)
  10. Sergey Brin: (Google/Alphabet)

Hinweis; diese Liste datiert von Anfang Janaur 2026 und ist sehr dynamisch, steigende oder fallende Aktienkurse können das Ranking täglich verändern. Nichtsdestotrotz, all diese Namen sind bekannt.

Acht von zehn Firmen sind Techunternehmen, zehn von zehn werden von Männern geführt und die meisten dieser Männer sind vor der Trump-Administration zu Kreuze gekrochen. Immerhin hat Donald Trump aufgezeigt, dass ein Staat den Megaunternehmen erfolgreich entgegen treten kann.

KI

ki generiert…

Das aktuellste Beispiel für die Überforderung von Schulen ist KI. einmal mehr sprechen Medienverantwortliche in den Schulen viel von Chancen und Möglichkeiten. Unbestritten, die gibt es.
Hingegen zeichnen die Spezialisten, die Entwicklerinnen und Entwickler von KI-Werkzeugen ein anderes Bild, warnen vor den negativen Folgen der KI-Nutzung und deren Einfluss auf die Gesellschaft.
Nur einige Beispiele: Sam Altmann, seines Zeichens CEO von Open AI (Chat GPT), oder Gary Marcus, KI-Forscher und Entwickler der ersten Stunde sowie Geoffrey Hinton, Nobelpreisträger für Physik aus dem Jahr 2024. Das Liste solcher Warner ist lange und müsste laufend aktualisiert werden. Das sollte uns zu denken geben – besonders auch den Schulen und den MeidenpädagogInnen.

Was tun?

Ob uns das gefällt oder nicht – Schulen sind pädagogische Organisationen, sie betreiben ein «Kerngeschäft», das auch ohne technische Beeinflussung zunehmend schwieriger wird.
Sie sollen Kindern lesen, rechnen und schreiben und deren Anwendung auf unterschiedlichem Niveau in vielfältigen Handlungsfeldern beibringen. Es gibt viele Gründe dafür, aber es ist Tatsache – diese Fähigkeiten werden zunehmend schlechter.
Die Hoffnungen, die in technologische Unterstützung gesetzt wurden, haben sich zerschlagen oder zumindest wahnsinnig stark relativiert. Die Nutzung von Computern und Co. haben nicht dazu geführt, das Schülerinnen und Schüler leichter oder erfolgreicher Lernen. Sie haben vielmehr für zunehmende Ablenkung und Abhängigkeit gesorgt und binden enorme personelle und finanzielle Ressourcen. Direkte und indirekte Investitionen in IT/ICT sind in den letzten Jahren beinahe explodiert. Hat man irgendwann deren Nutzen überprüft?
Genau das sollte aber geschehen. Schulverantwortliche – Lehrpersonen, Schulbehörden, Schulleitungen – müssen Rechenschaft darüber ablegen, ob die Finanzen, die aufgebauten Strukturen oder die Lerninhalte den Anforderungen der Schulen entsprechen. Den Anforderungen, nicht den Wünschen!
Und sie müssen sich selber klarmachen, ob sie die Schülerinnen und Schüler genügend vor den negativen Einflüssen der Computernutzung schützen.

Zurück zur Schiefertafel?

Für den Einsatz von Schiefertafeln gibt es durchaus Gründe, etwa im Rahmen einer Schreibdidaktik. Trotzdem ist klar; Schulen müssen moderne Mittel nutzen, sich innerhalb unseres gesellschaftlichen Systems bewegen und eben – Schülerinnen und Schüler möglichst gut auf den Umgang damit vorbereiten.
Dafür muss aber viel KnowHow aufgebaut werden, technisches KnowHow. Das können Schulen nicht alleine leisten. Neben MedienpädagogInnen und technikaffinen Lehrpersonen. (PICTS) müssen technische Profis beigezogen werden, welche aufzeigen:

  • Wie und in welchem Tempo laufen technische Innovationen?
  • Wer hat den grössten Nutzen durch ihre Verbreitung und Nutzung?
  • Welchen Nutzen können sie für Schülerinnen und Schüler haben?
  • Wo liegen die Risiken und Gefahren für Schülerinnen und Schüler?
  • Wie schützen wir Kinder und Jugendliche vor der Überlastung durch diese Technologien?

Es mag seltsam klingen, aber das klassische „Lesen, Schreiben und Rechnen“ ist durchaus ein Rezept – von vielen. Gut lesen, rechnen und schreiben können schafft Selbstbewusstsein. Es ist die Basis für Kinder und Jugendliche, überhaupt zu verstehen, was um sie herum geschieht. Die dringend notwendige Medienpädagogik fällt dadurch eher auf fruchtbaren Boden.
Wir stehen an einem Scheideweg oder sind schon darüber hinaus. Wir können den „einfacheren Weg“ Weg wählen und uns vormachen, wir hätten die Sache im Griff. Oder wir entscheiden uns dafür, Lehrpersonen zu befähigen oder zu unterstützen, wenn es um einen wirklich kritischen Umgang mit digitalen Medien geht. Das bedeutet Aufwand und Kosten und einen Einbezug von Profis bei der Beurteilung darüber, was digitale Medien für unsere Gesellschaft bedeuten und welchen Einfluss das auf die Schulen hat.

Leider gibt es einmal mehr kein einfaches Rezept, Vieles muss aufgebaut und entwickelt werden, Unterstützung muss gesucht, in die Aus- und Weiterbildung investiert werden. Es muss ein Stück Arbeit geleistet werden in einem Bereich, den Bildungsverantwortliche schon bei der Einführung von Textverarbeitung, Tabellenkalkulation oder Präsentationssoftware vernachlässigt haben – seriöse Schulung der Anwenderkompetenzen.
Sie glauben gar nicht, wieviele Worddokumente bei mir landen, in denen im Jahr 2026 keine Tabulatoren genutzt, keine Textformatierungen automatisiert und keine Formatvorlagen definiert wurden.

Das sind Kinkerlitzchen (Peanuts)? Eigentlich schon – aber ein wenig ist das wie lesen, schreiben und rechnen – es lohnt sich, wenn man es gründlich lernt, damit man es sicher und gewinnbringend anwenden kann.

In einem weiteren Beitrag werde ich die Frage der technischen Innvationen in einem anderen Bereich aufzeigen; der technischen IT-Infrastruktur in Schulen.