KI und Schule – wie sollen Kinder mit „learning language models“ lernen?
Martina Rau ist ETH Professorin und erfahrene, kluge Frau. Daran besteht kein Zweifel. In ihrem Beitrag auf Inside IT legt sie dar, wie Lernen mit KI funktionieren sollte.
Danny Frischknecht
Vorneweg: den ganzen Bericht finden Sie hier:
https://www.inside-it.ch/was-und-wie-sollen-kinder-mit-ki-lernen-20260409
Ihr Fazit; wir sollten zuerst das eigenständige und logische Denken üben, um KI danach gewinnbringend einzusetzen. Kein Widerspruch meinerseits. Wir sollten zudem kritisch mit dem umgehen, was KI uns als Resultat präsentiert, es soweit wie möglich verifizieren und gegen checken. Immer noch kein Widerstand meinerseits.
Autokorrektur versus LLM

Ich erlaube mir, hier Goethe’s Faust zu zitieren: „Die Botschaft hör’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“. Ich mache ein einfaches Beispiel. Vor vielen Jahren – eigentlich schon Jahrzehnten – haben wir über den Einsatz der Autokorrektur von Textverarbeitungen in der Schule diskutiert. Eigentlich eine sinnvolle Unterstützung – wenn man die entsprechenden Regeln von Grammatik und Orthografie kennt. Word hat uns das gezeigt, von dem es annahm, dass es falsch ist. Das war nicht in allen Fällen so, damit war es nur sinnvoll, verifizierte Vorschläge anzunehmen. Was aber, wenn ich diese Verifizierung gar nicht vornehmen kann, weil mir das Können dazu fehlt?
KI ist um ein Vielfaches komplexer, denn sie kann vielmehr Informationen verarbeiten, kombinieren und in Relation setzen. Rechtschreibung und Grammatik kann sie längst viel besser. Gleichzeitig fordern gerade die komplexen Fähigkeiten der KI ein deutlich höheres Mass an Reflexionsfähigkeit und -willen.
Was erleben wir also? Insbesondere, seit es mit wenigen Klicks und Prompts möglich ist, Bilder und Videos zu generieren, stehen wir fassungs- und wohl auch hilflos da und fragen uns, wie wir gerade visuelle Inhalte noch überprüfen sollen oder können. Die Zeit der Ergebnisse, die leicht durchschaut werden können, ist vorbei – ob es uns gefällt oder nicht.
Fazit

Und trotzdem bin ich wieder bei Frau Rau. Wir müssen selber zuerst das Denken, Reflektieren und ein gesundes Mass an Misstrauen üben, um mit KI im Ansatz sinnvoll umzugehen. Dieses Wissen müssen wir selbstverständlich an unsere Kinder und Jugendlichen weitergeben.
Gleichzeitig dürfen wir aber als Schule und Gesellschaft den Schutz kleiner und grosser Menschen nicht vernachlässigen. Gerade im Wissen um unsere eingeschränkten Möglichkeiten, den Output von KI zu beurteilen, müssen wir Regeln aufstellen, den Unternehmen und Entwicklern Grenzen aufzeigen, Sanktionen und Strafen definieren.
Dazu gehören aus meiner Sicht auch Regeln gegenüber unseren Schülerinnen und Schülern. Aufgrund der kognitiven Entwicklung müsste das auch heissen: haben wir den Mut, die Nutzung der KI wegzulassen, so lange sie keinen Sinn macht. Das selbständige Denken ist ein schwieriger Prozess, der Zeit braucht. Und diese Zeit müssen wir unseren Kindern geben. Trotz aller digitalen Verlockungen muss man konstatieren: eigenständiges Denken ist und bleibt ein analoger Prozess, einer, welcher unsere „eigenen Algorithmen“ braucht., unseren „Hirnschmalz“.
Und so bin ich mit Frau Rau einweiteres Mal einig. „Notfalls muss ich den Einsatz von KI einfach verbieten.“ Für mich müsste dieses Verbot bis zum Ende der Primarschule konsequent durchgesetzt werden – der Rest des Lebens ist lange genug, um sich von der KI an der Nase herumführen zu lassen.
